Gutenberg Editor: Mein erstes Date mit den Blocks

Mit dem neuen Gutenberg-Editor wird sich unser WordPress grundlegend verändern. Während die einen den Editor bejubeln, warnen andere schon vor völlig zerschossenen Webseiten. Was ist dran an der Aufregung um Gutenberg? Ich habe den neuen Editor getestet.

Die Oberfläche des Gutenberg Editors
Angenehm reduziert: Die Oberfläche des Gutenberg Editors.

Gutenberg ist der neue Editor, der mit dem Update auf WordPress 5 zum Standard werden wird. Er steht schon jetzt zum Test bereit und wer eine aktuelle WordPress Version hat, dem wird Gutenberg schon zum Testen angeboten. Davon sollte man jedoch meiner Meinung nach die Finger lassen. Denn bis jetzt ist noch nicht klar, ob Gutenberg auch mit allen Themes und Plugins kompatibel ist. Oder anders ausgedrückt: Es könnte sein, dass Sie für Ihre Neugier mit einer zerschossenen Website bezahlen. Ein zu hoher Preis, wie ich finde.

Ich habe mir für diese und andere Fälle schon seit längerem eine Testseite eingerichtet. Dort kann ich Plugins, Themes oder eben auch den neuen Editor in aller Ruhe ausprobieren, ohne Angst um meinen Content haben zu müssen. Und ein weiterer Vorteil kommt noch dazu: Ich kann beispielsweise Kunden Zugangsdaten für die Seite geben, mit dem sie sich die einzelnen Elemente anschauen können. Falls etwas passiert, sind keine wichtigen Beiträge verloren.

Auf meiner Testseite habe ich den Gutenberg Editor installiert und getestet.  Und ich bin nach kurzer Umgewöhnung angenehm überrascht.

Gutenberg bringt die Blocks

Das entscheidend Neue am Gutenberg-Editor ist, dass er mit Blocks arbeitet. Wer bislang Artikel schrieb, der tat das wie mit einem Textprogramm: Zeile für Zeile, Absatz für Absatz. Was hervorgehoben werden sollte, wurde markiert und anders formatiert. Gutenberg arbeitet dagegen wie z.B. ein Layout-Programm: Ich lege zuerst eine definierte Box an, fülle sie mit dem entsprechenden Inhalt, lege dann die nächste Box an etc. Ich öffne also eine Box für die Überschrift und verfasse sie. Dann kommt die nächste Box für einen Absatz, in den ich den Anlesertext schreibe. Danach eine Box für ein Bild, danach für eine Zwischenüberschrift usw.

Das wirkt auf den ersten Blick umständlich. Aber man ist im neuen Editor relativ schnell drin, weil er sich intuitiv bedienen lässt. Und dann erkennt man auch seine Stärken.

Die Vorteile vom Gutenberg-Editor …

Technisch gesehen macht der Gutenberg Editor den Schritt vom rein textbasierten Bloggen hin zum Layout und Webdesign-Programm. Zumindest ich fühle mich beim neuen Editor mehr an ein Layout-Programm als an eine Textverarbeitung erinnert. Das sehe ich aber durchaus positiv, denn so lassen sich leichter ansprechende Inhalte gestalten.

Die Oberfläche, auf der man arbeitet, wirkt angenehm aufgeräumt. Jeder Block zeigt bei einem Mouse-over nur die Werkzeuge an, die man auch für diesen Block

Blöcke im Gutenberg Editor
Ein Blick in das Auswahl-Menü der Blöcke zeigt, was alles möglich ist.

braucht. Ich sehe nicht immer das „volle Programm“ an Werkzeugen – es geht also mehr in Richtung ablenkungsfreies Schreiben, was ich persönlich sehr schätze.

Wenn ich meine Inhalte anders strukturieren will, kann ich ganze Blöcke verschieben, ich habe auch die Möglichkeit, Blöcke wiederzuverwenden, also aus anderen Texten einzufügen. Gerade letzteres kann sehr hilfreich sein, z.B. wenn ich aus rechtlichen Gründen immer wieder auf bestimmte Dinge hinweisen muss. Dann kann ich diesen Block einmal anlegen und dann in jedem Artikel verwenden.

Die Blöcke machen vieles möglich, was früher nur mit Plugins oder über andere Umwege zu erreichen war: Tabellen, in Spalten gesetzter Text, Buttons und vieles mehr. Das macht die Arbeit deutlich einfacher.

… und die Nachteile

Jede neue Software braucht eine gewisse Einarbeitungszeit. Ein gewohnter Workflow lässt sich vielleicht nicht mehr einhalten, bestimmte Funktionen sind auf einmal anders zugänglich und man muss sich mit einer neuen Struktur auseinandersetzen. Das ist aufwendig, aber letzten Endes arbeiten wir ja alle mit Software, die sich oft ändert und dürften diese Einarbeitung schnell hinbekommen.

Bei meinen Recherchen habe ich das Argument gefunden, dass einfache Blogbeiträge jetzt nicht mehr so schnell zu schreiben sind. Da ist viel Wahres dran. Ich kann den Text bis jetzt in einem Rutsch „runterschreiben“, dann formatiere ich ihn und veröffentliche den Blogpost. Da kommen jetzt durch die Blocks Arbeitsschritte dazu. Aber das sind – gerade bei einfachen Posts – ja nur wenige Mausklicks und ob ich die beim Formatieren eines Artikels oder beim Anlegen einer Box mache, das macht am Ende des Tages für mich keinen Unterschied.

Für Einsteiger nicht einfach

Schwierig wird es allerdings da, wo ich Menschen erst ans Bloggen an WordPress heranführen muss. Wer heute als Einsteigerin oder Einsteiger auf den Editor schaut, sieht vertraute Dinge: Das Feld für den Text, die Buttons mit den einzelnen Befehlen und auch die Funktionsweise „Markieren und klicken“ ist vertraut. Da kann der neue Editor tatsächlich beim einen oder anderen eine Hemmschwelle darstellen, denn zum neuen Blog kommt jetzt auch ein neuer Editor, dessen Bedienung man lernen muss. Hier wird es vielleicht mehr Schulungsaufwand geben, aber das zahlt sich auch wieder aus: Denn wer sich mit dem neuen Editor auskennt, kann schneller professionellere Inhalte erstellen. Dadurch hat er ein größeres Erfolgserlebnis, weil seine Blogbeiträge richtig gut aussehen und mehr gelesen werden. Und wo Erfolg ist, sind Spaß und die Motivation, weiterzumachen, nicht weit.

Und für alle, die mit dem neuen Editor partout nicht klarkommen, gibt es ebenfalls eine Lösung: Der alte Editor bleibt als kostenloses Plugin verfügbar und kann nachinstalliert werden.

Bleibt zum Schluss das wohl größte Problem, das tatsächlich unter Umständen gravierende Folgen haben kann: Die mangelnde Kompatibilität mit Plugins und Themes. Hier kann die Verwendung des neuen Editors tatsächlich dazu führen, dass die Website nicht mehr richtig dargestellt wird. Was natürlich verheerend ist. Andererseits muss man aber auch berücksichtigen, dass wohl die meisten Autoren von Themes sich auf Gutenberg eingestellt haben. Trotzdem: Vorsicht ist die Mutter der Porzellankiste. Auch deshalb rate ich zu einem Test. Entweder mit einer lokalen Installation oder mit einer Testseite im Internet. Hier kann man dann auch ganz normal neue Themes installieren und testen, sollte das ursprüngliche nicht funktionieren.

Mein Fazit:

Gutenberg wird viel verändern. Wir werden anders arbeiten, aber auch neue Looks auf Blogs sehen. Wir werden Zeit investieren müssen, aber dafür auch neue Möglichkeiten bekommen. Und die Gefahr von Kompatibilitätsproblemen sollte man nicht auf die leichte Schulter nehmen. Aber auch dafür gibt es Lösungen. Alles in Allem hat mir mein erstes Date mit Gutenberg großen Spaß gemacht und ich freue mich darauf, die neuen Möglichkeiten zu entdecken.

 

Sie planen ein Blogprojekt? Sie sind schon online und brauchen frische Ideen für Ihren Content oder Unterstützung bei Ihrer Strategie? Sprechen Sie mich gerne an, ich würde mich freuen, Ihnen zu helfen.

Ein Gedanke zu „Gutenberg Editor: Mein erstes Date mit den Blocks

  • 9. November 2018 um 11:30
    Permalink

    Vielen Dank Klaus, für Deinen Testbericht 🙂
    Ich lasse im Moment noch die Finger vom Gutenberg 😉 Zum Teil habe ich meine Seiten mit dem Thrive Architect erstellt – gleiches Prinzip und macht Spaß! Für meine Blogbeiträge habe ich das bisher noch nicht gemacht. Könnte ich ja mal ändern… oder ich warte auf Gutenberg. Mal sehen 🙂

    Schöne Grüße
    Sandra

    Antworten

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